Mesa Arch und bei den Kobolden im Goblin Valley

Was für ein Erlebnis!

Jede/r Fotograf/in wünscht es sich, einmal im Leben an dieser Stelle den Sonnenaufgang zu erleben und den Mesa Arch im Canyonland National Park im Sonnenlicht rot erglühen zu sehen. Und wenn man hier nur an einem Morgen vor Ort ist, dann braucht man schon das nötige Quentchen Glück, dass alles passt.

Das Aufstehen um halb fünf in der Früh fällt mir schwer, aber ich weiß ja wofür! Schnell einen Kaffee gekocht und für unterwegs ein Toast geschmiert (kein normaler Mensch kann mitten in der Nacht schon was essen ;) fahre ich das kurze Stück zum Parkplatz, wo der Trail zum Felsbogen beginnt. Es ist stockduster und mucksmäuschen still, obwohl auf dem Parkplatz schon fünf Autos stehen.

Als ich beim Mesa Arch ankomme, stehen da schon fünf entsprechend aufgebaute Stative in Reih und Glied samt dazugehörigen Fotografen. Als einzige Dame im Feld wurschtel ich mich mit Charme irgendwo dazwischen, alles kein Problem.... Es ist wieder ganz still, als ich mich eingerichtet habe. Nur ab und zu lässt mal jemand das rote Licht einer Taschenlampe über den Mesa Arch gleiten und man hört ein kurzs sanftes Klicken, während wir andächtig im mittlerweile dämmrigen Morgen und in totaler Stille auf den ersten Sonnenstrahl warten; die Stimmung ist wunderschön und angenehm spannungsgeladen.

Und dann passiert das Unvermeindliche: Hinter uns ertönen vom Weg her plötzlich viele Stimmen, die stetig lauter werden. Ein Horde junger Chinesen fällt aus dem Hinterhalt über uns her. Plötzlich ist da lautes Geschrei, noch lauteres Lachen und überall wuselt die chinesische Invasion ohne Rücksicht auf Verluste in einem Affentempo um uns herum. Unsere Stative können sie nicht aufhalten...auch wenn nur dreißig Zentimeter Platz zwischen ihnen ist, ein Chinese passt da noch durch! Wie kleine Äffchen turnen sie vor uns, neben uns, unter uns, ja sogar über uns auf dem Mesa Arch herum. Verbotenerweise versteht sich, denn der fragile Felsbogen ist wie alle Arches vom Einsturz bedroht. Zudem geht es auf der anderen Seite hunderte von Metern senkrecht die Felswand hinunter...

Als sich die Sonne dem Horizont nähert, werden wir unruhig und es fallen einige deutliche Worte, worauf der Spuk tatsächlich endet. In der nächsten halben Stunde bringen alle ihre Fotos in den Kasten, es ist unglaublich, wie sehr der Felsen glüht! Irgendwann steht plötzlich ein Brautpaar da und ihr Fotograf fragt, ob er fünf Minuten Zeit für sie haben darf...na klar! Er ist ein echter Profi und braucht tatsächlich nicht länger: Kommando, wie sie stehen sollen-klick-Kommando-klick-Kommando-klick...das Paar macht perfekt mit und es entstehen in kurzer Zeit traumhafte Fotos.

Mein Stellplatz im Canyonlands National Park...

Nach einem letzten Blick am Grand View über das weite Land des Canyonlands National Parks verabschiede ich mich von Brigitte und Dieter, die einige Tage hier verbringen werden und mache mich auf den Weg zu meinem nächsten Ziel, dem Goblin Valley State Park. Hier sollen die Kobolde hausen, daher lasse ich mir diesen Naturpark natürlich nicht entgehen ;)

Auf dem Weg dorthin halte ich an einem kleinen Parkplatz an, weil mir zwei

Tafelberge auffallen, die ich mir gerne näher anschauen würde. Es sind die Monitor und Merrimac Buttes, zwei markante Berge aus Sandstein. Sie sind benannt nach den ersten beiden Panzerschiffen, die im amerikanischen Bürgerkrieg im März 1862 kämpften.

Bergkette im Goblin Valley State Park

Am frühen Mittag erreiche ich den Goblin Valley State Park und finde schnell meinen reservierten Platz auf dem gleichnamigen Campground. Das Wetter ist wie schon seit vielen Tagen traumhaft, nur der Wind treibt den Sand über den schön gelegenen Campingplatz. Es ist absolut kein Regen angesagt, daher werde ich einen Slotcanyon in der Nähe ohne die Gefahr eines Flashfloods durchwandern können.

Auf meiner Hiking CD Faszination USA Südwesten habe ich mir diese Wanderung schon zu Hause herausgesucht, eine Rundwanderung durch den Little White Horse Canyon, der als leicht beschrieben ist, aber in dem man auch ab und zu ganz schön klettern muss, wenn wie heute reichlich Wasser in ihm steht. 

Der Besuch ist kostenlos und ein echtes Abenteuer!  Der Canyon beginnt in einen ausgetrockneten Flussbett, in dem einige Bäume stehen, und wird dann immer enger bis er sich zu einen sehr schönen Slotcanyon zusammenzieht.

Er ist sehr spannend zu durchwandern, eignet sich aber an diesem Tag nicht als Rundwanderweg. Rundwanderweg, weil er sich zur Mündung hin wie ein umgedrehtes  Y in zwei Canyons teilt (siehe Bild). Das Wasser, das in ihm steht, wird immer tiefer, je weiter ich komme. Irgendwann komme ich zwischen den steil aufragenden engen Felswänden nicht weiter, weil ich nicht unbedingt schwimmen will. An manchen Stellen ist der Canyon so eng, dass ich seitwärts gehen muss. Viele Leute sind hier nicht unterwegs, denn der Slotcanyon scheint noch ein Geheimtipp zu sein. Eine weitere jüngere Frau,  Hebe aus Schottland, ist hier ebenfalls unterwegs und wir überholen uns immer wieder gegenseitig.

Ich statte dem Tal der Goblins einen kurzen Besuch ab, bevor ich auf den Campground zurückkehre, um mir etwas zu kochen und zu duschen. Zum Sonnenuntergang fahre ich nochmal dorthin und spaziere mitten durch die Kobolde hindurch, einen riesigen Irrgarten. Fantastisch, was die Natur hier geschaffen und welche kuriosen Formen der Sandstein angenommen hat!

Oben auf dem Aussichtspunkt angelangt, treffe ich Hebe wieder und wir warten quatschenderweise gemeinsam auf den Untergang der Sonne. Zurück auf dem Campground setzen wir uns zusammen auf ihren Platz, der relativ windgeschützt direkt an der Felswand liegt. Eigentlich wollte ich Fotos vom Nachthimmel und der Milchstraße machen, aber in unsere Decken gehüllt sitzen wir so gemütlich zusammen, dass ich keine Lust dazu habe.

Hebe hat ihren Job in Schottland gekündigt, um in Oregon ein halbes Jahr Marketing zu studieren. Jetzt reist sie im Anschluss daran mit Mietwagen und Zelt durch den Westen der USA. Gerne würde ich mit ihr am nächsten Tag eine Wanderung in einem weiteren Canyon unternehmen, aber mein straff geplanter Zeitplan lässt das leider nicht zu. Als wir uns am nächsten Tag voneinander verabschieden, bereue ich das zwar zunächst, aber als ich dann den unglaublichen Bryce Canyon erreiche, weiß ich, dass es die richtige Entscheidung war.

Goblin Valley im Abendlicht

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