Mit dem Jeep durchs Monument Valley

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Noch vor dem Frühstück mache ich die ersten Fotos vom Sonnenaufgang. Der Jucy ist die ganze Nacht durchgeschüttelt worden und immer noch weht ein  stürmischen Wind über die Ebene. Ich sehe große Windsäulen in der Ferne im Morgenlicht tanzen und versuche, sie mit dem Tele einzufangen...

Die Szenerie, die sich mir beim Sonnenaufgang bietet, erlebe ich wie in einem Traum! Ich muss mich immer wieder kneifen, um zu realisieren, dass ich das gerade wirklich erlebe.

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Farbenspiel kurz vor Sonnenaufgang

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Der nicht uninteressante Blick in die andere Richtung

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Nach einem windigen Frühstück mit reichlich rotem Sand zwischen den Zähnen mache ich mich auf zum The View Hotel, dem Treffpunkt für alle, die bei Majestic Monument Valley von 9-12 Uhr eine Jeeptour ins Valley gebucht haben. Im Nachhinein bin ich sehr froh, gestern Abend im Hotelrestaurant gegessen zu haben, denn dort ist mir bei einem Blick auf die Uhr aufgefallen, dass die angegebene Zeit nicht mit der meiner Uhr übereinstimmt. Siedend heiß fiel mir noch rechtzeitig ein, dass hier im Land der Navajos, in der Navajo Nation Reservation, die Uhren anders ticken! Als bei mir der Zeiger auf 8 Uhr steht, ist es hier schon 9 Uhr! Aber so bin ich rechtzeitig in der Lobby des Hotels und treffe mit der bunten Truppe zusammen, mit der ich den Morgen verbringen werde.

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Yá 'át' ééh!

So werden wir von unserem Navajoguide John begrüßt. Er führt uns zu einem weißen Jeep mit Sitzbänken auf der Ladefläche und fährt uns auf holprigen und staubigen Dirtroads ins Monument Valley hinein.
Es ist sehr kalt und der Wind fegt immer noch heftig über das Land. Zwei von uns passen noch vorn mit in das Führerhaus, aber ich möchte weiterhin hinten sitzen bleiben, um diese herrliche Aussicht genießen zu können.

An verschiedenen Punkten halten wir an und John erzählt uns von seinem Volk, den Diné, von seinem Land und von seiner Familie. "Vater Sonne und Mutter Erde sind auf der ganzen Welt wunderbar und das Monument Valley ist ein Teil von ihnen...", erzählt er.

Die tiefrote Welt hier im Land der Navajos begeistert mich sehr, hier ist die Zeit stehen geblieben. Für das Volk der Navajo ist dieses Land heilig.

Bizarre Felssäulen ragen aus dem Boden – ein faszinierendes Bild, das uns allen aus etlichen Filmklassikern bekannt sein wird. Gewaltige Tafelberge und spitze, säulenartige Felsen angereichert mit Eisenoxid (daher die rote Farbe) erheben sich aus dem flachen Colorado-Hochplateau. In der Region, die einst ein riesiges Becken war, haben sich vor Jahrmillionen Kalk- und Sandsteinschichten abgelagert und verfestigt. Sie wurden mit der Zeit durch Wind, Regen und Verwitterung wieder abgetragen und hinterließen diese unfassbaren Formationen.
Die Landschaft ist überwältigend, zum einen aufgrund ihrer Schönheit, zum anderen wegen ihrer riesigen Ausmaße. Mit Allradfahrzeugen kann man einem sandigen Rundweg folgen, der beim Visitor Center beginnt. Ich habe jedoch keinen, daher habe ich mich der geführten Jeeptour angeschlossen. Der große Vorteil: So kann man auch Teile des Parks erleben, die für Privatfahrzeuge nicht zugänglich sind...und die haben es in sich!

Zunächst fahren wir zu einem höher gelegenen Felsen und wer mag, darf sich auf ein Pferd setzen und sich fotografieren lassen, eher nicht so meins ;)  Den Hund, der, anscheinend halb verdurstet, kopfüber in einem Wasserfass steckt, und das Fotoshooting mit einem leicht bekleideten Model halb in Westernstiefeln, halb in Gipsschiene finde ich viel interessanter!

 

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Weiter geht die rumpelige Fahrt bis wir an einem kleinen Hogan der Diné halten. Im Innern dieses so klein wirkenden Erdhügels befindet sich reichlich Ware, die wir käuflich erwerben dürfen. Traumhaft schöner Schmuck verführt mich fast zum Kauf einer Kette, aber ich habe mir fest vorgenommen, nichts zu kaufen, denn diese Reise ist so schon... naja reden wir nicht drüber! Wenn ich nur an Air Berlin und dessen Pleite denke....

Der Hogan beherbergt auch ein Familienmitglied unseres Guides: Eine Frau, die uns zeigt, wie die Navajos Wolle anfertigen und spinnen. Als ich den Hogan verlasse, liegt ein Hund davor und ich habe sofort Mitleid mit ihm...er sieht aus, als habe er einen Kampf mit einem Grizzly hinter sich.

 

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Und nun geht es weiter zu meinem absoluten Highlight der Tour, dem Big Hogan! Dieses Gebiet ist für selbstfahrende Touristen gesperrt. In einer Beschreibung dieses wunderschönen Landstrichs, die ich gelesen habe, steht:

"There is a place where the land is old and dry. A place where the colors of red rock meets the eye in every direction. A place where the land speaks to the mind through shape and shadow, and the wind whispers of ages past and present. This is a very ancient place, where time has stood still. This is an area where the wind whispers through the trees and the red rock cliffs tell tales of long forgotten times. A place where the people live as their ancestors have for eons past, and traditions are kept, cherished, and remembered. This is a place where the land is sacred, to be worked in the old ways and worshiped for its wisdom."

Hier, im natürlichen Felsendom mit der direkten Verbindung zum Himmel durch das "Auge" in der Decke, kommen diese Worte erst richtig zur Geltung. John fordert uns alle auf uns im Halbkreis auf den Boden zu setzen oder zu legen und nach oben zu schauen. Ein Freund von ihm beginnt zu singen und später spielt John auf einer typischen Doppelflöte der Navajo - Gänsehaut pur! Aber seht und hört selbst:

 

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Wir fahren weiter zum "Sun's eye", eines weiteren Felsberges mit "Loch", hier gibt es Felsmalereien von Johns Vorfahren zu bewundern.

Die Landschaft verändert sich ständig und ist fantastisch! Die Zeit vergeht wie im Flug und wir fahren im rasanten Tempo über die staubige Piste zurück zum Ausgangspunkt.

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Und nun heißt es Abschied nehmen von dieser traumhaften Landschaft...er fällt mir schwer! Schon nach so kurzer Zeit fühle ich mich sehr verbunden mit dem Land der Navajos und deren Spiritualität. Aber es führt kein Weg daran vorbei: Go back to the road!

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Forrest Gump Point - Blick zurück zum Monument Valley Gebiet

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Mein nächstes Ziel ist der Gooseneck State Park. Vom dortigen Aussichtspunkt kann ich einen Blick auf den San Juan River werfen, der sich im Laufe von Millionen Jahren inzwischen gut 300 m tief gegraben hat. Der Fluss windet sich auf einer Länge von 8 km vor und zurück und legt dabei gerade einmal eine Luftlinie von 1,6 km zurück. An seinem Rand darf man mit seinem Wohnmobil sogar übernachten, was für ein Panorama!

 

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Goosenecks State Park

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striped mountains nahe Mexican Hat

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Auf dem Weg nach Moab fahre ich durch eine Landschaft, die ihresgleichen sucht. Die gestreiften Berge hinter Mexican Hat sind in verschiedensten Gesteinsschichten und -farben aufgeschichtet.

Ich fahre immer wieder durch kleine Ortschaften und an seltsamen Felsformationen vorbei und sehe in der Ferne hohe mit Schnee bedeckte Berge leuchten. In Bluff lohnt sich ein Fotostopp an der alten Cow Canyon Trading Post mit Blick auf die Twin Rocks!

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Etwa 26 Meilen vor Moab liegt der Wilson Arch direkt an der US-Route 191, den ich mir natürlich nicht entgehen lasse. Der 14 Meter hohe natürlich entstandene Sandsteinbogen mit einer Spannweite von 28 Metern lädt förmlich dazu ein, zu ihm hinaufzuklettern!

Für die nächsten beiden Nächte habe ich keinen Campground vorgebucht, da es hier in Moab reichlich davon geben soll. Allerdings ist der Campground im Arches National Park gesperrt, weil dort sämtliche Straßen erneuert werden, daher kann es doch enger werden. Ich klappere in der Dämmerung alle Plätze ab, die am Colorado River entlang liegen...keine Chance. Alle sind komplett voll, also stelle ich mich einfach auf einen Wendeplatz am Anfang eines der an der Straße liegenden Campgrounds und hoffe, dass niemand was sagt. Hier gibt es nur Plumpsklos und sonst nix, aber ich habe ja gestern noch geduscht. ;)

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Kommentare: 1
  • #1

    Ingrid H. (Mittwoch, 02 Mai 2018 22:02)

    Wow! Klasse, Britta! Wieder excellente Aufnahmen und einmalige Eindrücke von dieser atemberaubenden Landschaft! Danke dafür! ...da will ich auch hin!!!!!
    Lg