Island im Winter - Tag 6   Jökulsarlon, Eishöhle

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Eis am schwarzen Strand

Am heutigen sechsten Tag haben wir die nächsten Highlights vor uns: einen Gletschersee, blaue Eisbrocken am schwarzen Strand und eine Gletschereishöhle. Und eine tierische Überraschung erwartet uns heute ebenfalls...

In unserem großen Hotel ist das Zimmer sehr klein, der Frühstücksraum dagegen so groß wie eine Bahnhofshalle. Entsprechend laut geht es hier zu.Bei einem Halt auf einem Parkplatz haben wir gestern einen jungen Mann getroffen, der uns vor einem kommenden Blizzard gewarnt hat. Die Recherche auf den Wetterseiten hatte jedoch am Abend nichts ergeben. Bein Frühstück sehen wir einen älteren Herrn im Norwegerpulli, der mit einem Van von Extreme Iceland unterwegs ist. Britta fragt ihn nach dem Blizzard und er bestätigt, dass ein Sturm im Anmarsch sei, der allerdings wohl eher den Süden und Westen Islands trifft. Er fragt, wohin wir unterwegs sind und als er hört, wir fahren morgen vom Osten über Egilstadir in den Norden, gibt er uns den Rat, morgen früh loszufahren, so dass wir so früh wie möglich dort ankommen. Der Blizzard käme vermutlich erst am Nachmittag im Norden an...wenn überhaupt. Etwas beruhigt machen wir uns auf ins Zimmer, um aufzubrechen.

Am Ende unseres Flurs gibt es eine wunderschöne Glastür, in die Vögel und Blumen eingraviert sind. Draussen scheint die Sonne und der Schnee leuchtet blau hindurch, als wir unsere Koffer und Taschen nach draussen schleppen, in den Kofferraum unseres treuen Dacia packen und losfahren. Wir fahren die dick vereiste, lange Zufahrt zur Ringstrasse hinunter und sind wieder on the road. Diesmal biegen wir in die andere Richtung ab und fahren zurück zum Gletschersee Jökulsárlón. Er ist der bekannteste und größte vieler Gletscherseen in Island. Jökulsárlón liegt am Südrand des Vatnajökull zwischen dem Skaftafell-Nationalpark und Höfn und ist mit 248 Metern ist der tiefste See Islands.

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Blick aus unserem Zimmerfenster
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Islandpferde wie an einer Perlenschnur aufgereiht vor dem Panorama des Hvannadalshnúkur, diesmal von der anderen Seite.
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...die drei Weisen aus dem Morgenland ;o)

Und dann ist da in der Ferne Bewegung auf der Straße zu sehen. Zunächst vermuten wir einen Hund, der über die Fahrbahn läuft. Als wir näher kommen, können wir es kaum fassen, aber da laufen tatsächlich Rentiere über die Straße, ein herrlicher Anblick!

Eine ganze Herde ist unterwegs in Richtung Meer. Hin und wieder bleiben sie stehen und schauen in unsere Richtung, um dann über den Schnee weiter zu trotten.

Als sie unser Blickfeld verlassen, fahren wir weiter bis zum Gletschersee, der an der Ostseite des Vanajökull liegt. Wir parken das Auto gleich hinter der Brücke...willkommen in der Zivilisation! Hier wimmelt es von Menschen und wir sind wieder mal umgeben von Horden von Chinesen.

Unsere geplante Eishöhlentour beginnt erst um 12 Uhr, also haben wir noch eineinhalb Stunden Zeit, bevor wir am Treffpunkt, dem Café am See, sein müssen.

 

 

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Jökulsárlón, der Gletschersee vor einer der Gletscherzungen des Vatnajökull
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Eine großartige Kulisse liegt vor uns. Links von uns liegt der Eissee, in wel- chen sich ein riesiger kilometerbreiter Gletscher hineinschiebt und Eisberge jeder Größe gebiert, die jetzt im Winter unter einer dicken Eisschicht gefangen sind. Nur hier unten, wo wir am Aus- fluss des Sees in den Atlantik stehen, sorgt die Tide für offenes Wasser. Läuft die Flut ab, nimmt sie die kleineren Eisberge mit ins Meer, wo sie von den Wellen zurück auf den schwarzen Sandstrand geworfen werden. Dieser Strand liegt rechts von uns und wir machen uns auf den Weg, um ihn zu erkunden. Dabei laufen wir über eine Schneedecke, die von der Sonne zum Teil schon so sehr erwärmt wird, dass wir immer wieder bis zu 30 cm einbrechen, wenn wir vom festgetrampelten "Weg" abweichen , um die zahlreichen Chinesen und Fotografen zu umgehen, die uns entgegenkommen. Nach zehn Minuten liegt er vor uns, der schwarze Strand, bedeckt mit tausenden von Eisbrocken. Zunächst bin ich ein wenig enttäuscht, weil mir die Eisblöcke so klein

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erscheinen. Ein anderer Tourist hatte uns gestern erzählt, dass hier im Sommer wesentlich größere liegen, da der Gletscher dann mehr kalbt als im Winter. Aber als wir weiter den Strand entlang wandern, sehen wir schon von weitem weitaus größere kristallklar, türkis und blau schimmern. Sie liegen da, teilweise umtost von den Wellen und warten auf die Flut, die sie wieder hinausreißt auf das Meer und die Frühlingssonne, die sie tauen läßt. Hier hocken zu Dutzenden Fotografen, immer auf der Suche nach dem einzigartigen Motiv. Ich fühle mich gleich heimisch und mische mit.

Es ist ein wenig unwirklich hier, als sei man in einer anderen Welt unterwegs! Hinter uns das Schneegebirge, vor uns das Meer, um uns herum leuchtendes Eis in den unterschiedlichsten Farben und schwarzer Sand. Dazu die rauschenden Wellen, die hin und wieder einen Eisbrocken auf das Meer hinausziehen. Dann sieht es aus, als tanze er vor Freude darüber auf und ab, auf und ab...

Immer wieder sieht man chinesische Frauen auf den Eisblöcken posieren und dann wie aufgeschreckte Hühner loslau- fen, wenn die nächste Welle heranrollt und sie nasszumachen droht. Wobei, nicht alle schaffen das auch!

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Laufey und Stephan

Pünktlich um 12 Uhr finden wir uns an unserem Treffpunkt für die Eishöhlentour bei dem Café ein. Es dauert eine Weile, bis alle sich gefunden haben, die mitfahren. Der Super Jeep läßt auf sich warten, also schnell nochmal aufs Klo und dann gehts los.

Am Steuer unseres riesigräderigen Jeeps sitzt Laufey (wird "Löwei" ausgesprochen), eine robuste und sehr humorvolle Isländerin, die alltags auf den  verschiedenen kleinen  Farmen mit dem Schulbus die Kinder einsammelt und zur Schule fährt. Ein weiterer Jeep mit Stephan aus Österreich am Steuer folgt uns. Beide betreiben bzw. arbeiten für Firmen, die in Island Touren anbieten: Hafjall, iceguide und glacierjourney

Wir fahren über die Brücke ein Stück die Ringstraße entlang und biegen dann nach rechts ab auf eine Fahrspur, die durch den tiefen Schnee auf die Berge zuführt. Jetzt wird es steil und äußerst holprig, eine Schaukelpartie! Der Jeep kommt nur langsam voran, eine Achterbahnfahrt in Zeitlupe. Hinter uns sitzt ein älteres Chinesenpaar, dessen männlicher Part jedesmal, wenn der Jeep steil bergab schaulkelt, ein gequältes Grunzen von sich gibt, dass ich als Übelkeitsäußerung deute (ist auch im folgenden Video zu hören ;o). Eine halbe Stunde fahren wir so den Gletscher hinauf und allein diese Fahrt ist schon lohnenswert.

 

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...in der Eishöhle

Am Ziel werden Sturzhelme verteilt, bevor wir durch ein kleines Loch hinunter in die Eishöhle krabbeln.

Wir tauchen ein in eine Schnee- und Eiswunderwelt in unglaublichen Blau- und Türkistönen.

Stephan erklärt uns, dass die kleinen sehr reizvoll aussehenden Dellen im Eis um uns herum durch die Atemschwaden der Besucher selbst verursacht werden. Leider ist die Höhle nicht mehr so groß wie im letzten Jahr, da es unter dem Gletscher einen Erdrutsch gegeben hat. Der Boden wurde dadurch so weit angehoben, dass die, die bis in den hinteren Höhlenteil vordringen möchten, gezwungen sind, etwa 20 Meter tief geduckt auf Knien über den Kies zu rutschen. Wir sehen zum Schluß zwar aus wie die Schweine, aber wie glückliche Schweine!

 

Unter diesem Spalt in Schnee befindet sich die Eishöhle!

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Nach etwa einer Stunde will die nächste Gruppe in die Höhle und wir krabbeln wieder hoch an die Oberfläche.

Leuvey zeigt uns noch einen kleinen Höhlendurchgang in der Nähe, der auch seinen Reiz hat!

 

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Blick über den Gletscher in Richtung Meer
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Wir sind zurück am Gletschersee und verabschieden uns von Leuvey und Stephan.

Unsere nächste Übernachtung haben wir in Djúpivogur gebucht, bis dorthin müssen wir noch über 170 km fahren. Wir nehmen uns trotzdem Zeit, um uns hier noch ein wenig aufzuhalten, denn das Wetter ist fantastisch.

Ein Spazierweg führt an der Lagune entlang und wird von vielen Touristen, vor allem Chinesen (wer hätte das gedacht) bevölkert.

Dort, wo der Gletscher ins Wasser des Sees stößt, sehen wir mehrere dunkle Punkte. Es sind Seehunde, die am Ufer herumdösen und die Sonne genießen! Sie sind recht neugierig und einen erwische ich, als sein Kopf aus dem Wasser auftaucht und er zu uns herüberschaut.

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Panorama Jökulsárlón
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Panorama Gletscher Vatnajökull
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Panorama Gletschersee Jökulsárlón
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Irgendwann müssen wir uns von diesem wunderschönen Ort trennen und weiter. Wir fahren wieder durch eine Schneelandschaft, die sich in der lange untergehenden Sonne so herrlich zeigt, dass es fast wehtut. Irgendwann ruft Britta neben mir: Rentier! Ich schaue in den Rückspiegel, kilometerweit kein Auto in Sicht und vorne heraus auch nicht, also Warnblicker an und ausnahmsweise Stopp! Das Auto hält direkt neben einem einsamen Rentier, das stehenbleibt und uns ansieht, als wolle es sagen: Hallo ihr, was macht ihr denn hier in der Einsamkeit Islands?

Dabei sind wir zu zweit...

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Schneeberge hinter Höfn
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Sonnenuntergang im Südosten Islands

Auch zum großartigen Sonnenuntergang halten wir nochmal an und an einem mit Eis bedeckten See und als wir noch ein Rentier entdecken und zur blauen Stunde und.... wir hätten noch viel öfter anhalten können, aber irgendwann mußten wir ja unser Ziel erreichen, wenn wir nicht im Auto übernachten wollten.

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Im Hafen von Djúpivogur

Es ist neun Uhr und stockduster, als wir Djúpivogur erreichen. Google maps führt uns zu unserer Unterkunft am Hafen. Der junge Mann, der im Schneckentempo heranrauscht und uns mit sparsamen Worten und Gesten  an der Rezeption begrüßt, bestätigt unsere  Reservierung und drückt mir in einer langsamen Geste den Schlüssel in die Hand. Wir haben unvermutet kein Doppelzimmer mit Gemeinschaftsbad, sondern ein Holzcottage draußen hinter dem Hotel. Wieder einmal schleppen wir unsere Klamotten und Koffer durch tiefen Schnee bergauf in die Hütte. Ich hole den Rest während Britta schon mal das Teewasser anstellt. Ich weiß bis heute nicht warum, aber als ich zurückkomme, habe ich die Eingebung, dass hier irgendwas nicht stimmt. Ich krame die Buchungsunterlagen hervor und rufe die Telefonnummer unserer reservierten Unterkunft an. Es meldet sich eine Dame, die fragt, wann wir denn anzukommen gedenken. Es stellt sich heraus, dass wir falsch abgestiegen sind!

Die Dame möchte uns wohl unbedingt hier loseisen und verspricht uns, sofort herzukommen und abzuholen. Ihr Haus sei nur um die Ecke. Während Britta laut fluchend all die Sachen wieder einpackt, die sie schon ausgepackt hat, schleppe ich schon mal einen Teil der Koffer etwas leiser fluchend wieder zum Auto zurück, suche den netten jungen Mann an der Rezeption auf, um ihm zu sagen, dass wir wieder auschecken. Er ist allerdings verschwunden, die Rezeption bleibt trotz öfteren Betätigens der Klingel verlassen. Die Besitzerin unserer eigentlichen Unterkunft rauscht mit wehenden Fahnen aufgeregt herein und jetzt biegt auch der Schneckenmann um die Ecke. In das folgende isländisch geführte ruhige Gespräch mische ich mich nicht ein, lege aber schon mal den Schlüssel des Cottages auf den Tresen. Als alles geklärt scheint, verlassen wir das Hotel und die Dame zeigt auf ihr Haus keine 30 Meter weiter die Straße hoch. Ich sammel Britta und den Rest der Sachen ein, wir fahren die paar Meter weiter und beziehen eine komplette Wohnung, die wir für uns allein haben, weil sonst niemand eingecheckt hat. Hier gibt es sogar eine Waschmaschine, die Britta sofort füllt und anwirft.

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Jetzt noch ein Bier und was essen und alles ist wieder gut. Leider hat sich der Himmel komplett zugezogen und vom angekündigten guten Nordlicht bekommen wir hier nix zu sehen. Trotzdem machen wir noch einen kurzen Gang durch die kleine Gemeinde. Als wir auf einem Schild die Schnecke von "cittaslow" entdecken, müssen wir beide an den jungen Mann des ersten Hotels denken und bekommen den Lachanfall des Tages.

"Cittaslow" ist eine Vereinigung lebenswerter Städte, in denen der Mensch unter anderem noch das langsame Leben anerkennt... wie wahr!

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