Island im Winter - Tag 7  Im Blizzard unterwegs...

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Sonnenaufgang am Berufjörður

Früh am Morgen um halb neun machen wir uns auf den Weg in den Norden. Der Abschied von Djuppiwuppi fällt uns nicht schwer, denn auch am Morgen ist hier nicht mehr los als abends. Die Wäsche, die auf einem Wäscheständer im Wohnzimmer tatsächlich getrocknet ist (Britta hatte die Heizung über Nacht auf 25 gestellt), wird schnell verpackt, ein Kaffee wird gekocht und nach einem leckeren Müslifrühstück brechen wir auf. Es ist schon nicht mehr ganz dunkel. Die Dämmerung kriecht herauf und beschert uns einen langen und wunderbaren Sonnenaufgang.

Die Strecke über den Pass auf der Ringstraße von Djuppiwuppi nach Egilstadir ist schon seit Wochen gesperrt. Darum fahren wir viele Kilometer an der Ostküste Islands entlang. Der Weg ist weiter, als wir dachten, denn wir müssen drei Buchten umfahren. Erst in der vierten Bucht mit dem unglaublichen Namen Fáskrúðsfjörður zweigt die Straße Nr. 96 in Richtung Norden ab. Bis dahin halten wir jedoch an mehreren malerischen Stellen an...

 

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Panorama der Küste im Südosten Islands
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Mein Lieblingsfoto des Tages: Blick bei den Ostfjorden ins Landesinnere
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Gelber Leuchtturm Jónstangi an der Südostküste Islands

Bevor wir in den Ostfjord Fáskrúðsfjörður einbiegen, halten wir beim Leuchtturm Jónstangi an. Wir treffen hier auf ein junges Pärchen, unsere erste menschliche Begegnung des Tages. Überhaupt, seit Jökulsalon ist uns kein einziger Chinese begegnet, erstaunlich! Der Leuchtturm leuchtet gelb in der Morgensonne und steht an exponierter Stelle direkt an der Steilküste im Südosten Islands.

An einem verlassenen Gehöft fahren wir vorbei zurück auf die Straße und weiter bis zur 96.

 

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Sonnenaufgang am Leuchtturm Jónstangi
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Weg zum leuchtend gelben Leuchtturm Jónstangi

 

Auf der Straße 96 fahren wir nun in den Norden Islands. Die Schneemengen nehmen zu, als wir hinauf in die Berge fahren. Am Straßenrand steht schon mal einsam und verlassen ein Autoanhänger mit einem Platten am Straßenrand. Unter Umständen steht er bis zum Frühjahr dort. Irgendwann taucht vor uns ein Tunnel auf, der uns unter dem Gebirge hindurch auf die andere Seite führt. Es ist der fast 6 km lange Fáskrúðsfjarðargöng, der im Jahr 2005 eröffnet wurde. Wir erreichen Egilsstadir und nutzen die nächste Tankstelle, um voll zu tanken. In den gesamten zwei Wochen habe ich darauf geachtet, den Tank immer mindestens halbvoll zu haben. Man kann ja nie wissen, ob man sich nicht vielleicht irgendwo in der Wildnis mal zwangsweise aufhalten muss, sei es durch einen platten Reifen oder durch einen Sturm.

Als an der Tankstelle die Autotür öffne, wird sie mir förmlich aus der Hand gerissen! Der Wind hat unglaublich zugenommen und wir kämpfen uns in den Laden der Tankstelle. Nach einem Einkaufsbesuch des ortsansässigen großen Supermarktes machen wir uns mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend auf den Weg über die Hochebene nach Reykjahlíð am Myvatnsee.

 

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Islandpferde im Schnee

Wir befinden uns wieder auf der Ringstraße und verlassen Egilsstadir. Eine Brücke führt uns über eine kleine Schlucht, durch die der Fluss Lagarfljót fließt, der allerdings unter Schnee und Eis begraben ist.

Eine Herde Islandpferde verführt uns zu einem weiteren Fotostop. Allerdings ist mir dabei nicht ganz wohl, der Wind und der über die Straße fegende Schnee machen mir Sorgen... zu Recht, wie wir später feststellen sollen.

Es fasziniert uns immer wieder, dass es die Islandpferde bei diesen Wetterverhältnissen im Winter draußen aushalten. Sie stehen unbewegt oft nah aneinandergekuschelt im Schnee, der Wind zerzaust ihnen ihre Mähnen und Schnee und Eis sammeln sich in ihrem Fell.

 

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Im Norden durchbricht ein extrem blaues Band die weiße Schneelandschaft.

Die Landschaft sieht unwirklich aus! Es kommen uns kaum noch Autos entgegen, als wir auf die Hochebene hinausfahren, vielleicht alle 10-15 Minuten mal ein Auto.  Wir haben noch fast 170 km vor uns und der Sturm rüttelt unser Auto immer mehr durch. Immer wieder liegt in Teilen hoher Schnee auf der Straße und ich darf nicht zu langsam fahren, um gut durchzukommen und nicht steckenzubleiben, aber natürlich auch nicht zu schnell, sonst hauts uns von der Straße runter. Trotzdem gibt es den einen oder anderen verrückten Isländer, der uns in dem Schneechaos in hohem Tempo überholt und hin und her rutschend vor uns wieder einschert!

Unsere lustigen Gespräche verstummen und weichen einer angespannten Stille. Es wird immer gruseliger, als der Wind lauter heult, die Schneefahnen in einem Affentempo vor uns über die Straße wehen und sich mein Blick wieder an die gelben zum Teil jedoch verschneiten Pfosten klammert. Und dann, nach eineinhalb Stunden Fahrens durch nichts als WEISS passieren wir eine Brücke und...das wars! Aber schaut selbst:

 

Filmchen und Bilder von beiden Brittas als Diashow zusammengestellt. Infos zur Musik:  Air Hockey Saloon von Chris Zabriskie ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution license (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/) lizenziert. Quelle: http://chriszabriskie.com/vendaface/

Interpret: http://chriszabriskie.com/  Rockytop von Audionautix ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution license (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/) lizenziert. Interpret: http://audionautix.com/
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Gesperrte Abzweigung zum Dettifoss

Fast zweieinhalb Stunden waren wir im Schnee gefangen. Die Isländer scheinen solche Situationen zu kennen und reagieren  mit absoluter und bewundernswerter Gelassenheit. Der Moment, als wir im Schnee stecken blieben, war zunächst heftig, denn weit und breit war niemand zu sehen und so mutterseelenallein im heulenden Schneechaos zu stehen, ist echt nicht sooo angenehm. Aber nachdem wir die wichtigsten Dinge abgecheckt hatten, wie z.B. genug Sprit im Tank, damits warm bleibt? Jo! Genug Essen dabei? Jo! Trinken? Jo, zur Not schmelzen wir Schnee ;o) da waren wir für's erste beruhigt. Britta rief Islands Notrufnummer 1777 an und die Dame in der Leitung meinte ganz gelassen: "Wartet einfach mal auf das nächste Auto, vielleicht hat derjenige eine Schüppe dabei. Nein, der Schneepflug war vor einer halben Stunde an dieser Stelle und ist in der anderen Richtung unterwegs." Schade aber auch!

Wir waren jedenfalls die ersten, die überhaupt Schneeverwehungen meldeten. Auf diesen Meldungen der Autofahrer fußen übrigens unter anderem die Angaben auf der Internetseite "road.is" - am nächsten Tag war die Straße über die Hochebene tatsächlich für Tage gesperrt. Was für ein Glück wir hatten, noch rübergekommen zu sein!

Nach einer Viertelstunde kam ja dann tatsächlich ein Auto, der Van... Auch hinter uns reihten sich nach und nach Autos und LKWs aneinander. Direkt im ersten Auto hinter uns saß ein absolut gechilltes Isländerpaar um die 65  und die Frau auf dem Beifahrersitz strickte die ganze Zeit in aller Ruhe und ohne Unterbrechung.

Es ist halb sechs, als wir endlich weiterfahren können. Noch immer zeigt sich die Landschaft in weiß und einem unwirklichen Blau, wie ich es noch nie zuvor gesehen habe. Wir passieren den Abzweig zum Dettifoss, dem größten Wasserfalls Islands und wir ahnen, dass er vielleicht die erste wichtige Sehenswürdigkeit ist, die wir uns nicht ansehen können. Die Straße ist mindestens einen Meter hoch mit Schnee bedeckt und gesperrt!

Am Ende der Hochebene führt uns die Straße in Serpentinen hinunter in eine Ebene, in der der Myvatnsee liegt. Auf einem Parkplatz stehen Schilder mit abgebildeten Sehenswürdigkeiten und auf einem entdecken wir  "unsere" Schneewehenbrücke.

 

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Panorama mit kleinem blauen Thermalteich und in der Mitte Reykjahlíð am Myvatnsee.

Von hier oben aus hat man einen herrlichen Ausblick über die Ebene und überall dampft es, mal aus Schornsteinen einer Fabrik, mal mitten aus einem See oder einfach aus der Erde unter dem Schnee!

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Die Fabrik am kleinen Thermalsee.
Gut gerüstet für die nordische Islandwinterkälte!
Gut gerüstet für die nordische Islandwinterkälte!

 Nach Reykjahlíð ist es jetzt nicht mehr weit. Wir sind so froh wie nie, heil in unserer Unterkunft anzukommen. Allerdings braucht es noch ein Weilchen, bis wir die Füße ausstrecken können. An der angegebenen Adresse öffnet niemand auf unser Klingeln. Es bedarf erst einigen telefonierens und wartens, bis wir herausfinden, dass hier nur der Vermieter wohnt. Unsere Unterkunft ist ein Hostel namens Elda, das auf der anderen Seite des Ortes liegt.

Im Hostel treffen wir nur auf ein Schweizer Ehepaar, das sich schon lääängere Zeit in Island aufhält und sich noch viiiel Zeit für das Land und den Norden nehmen will...soso.

Heute Abend gibt es für uns Spaghetti mit Gemüse-Tomatensoße und Salat. Während wir essen und unser Bier genießen wollen, wuseln die beiden um uns herum und kochen gaaanz gesunden Fisch, dessen Geruch sich in sämtlichen Zimmern breitmacht und der an Intensivität auch am nächsten Morgen in keinster Weise nachlassen wird, c'est la vie! Aber die Betten sind gemütlich.

Wir freuen uns auf unser Cottage am See, das wir morgen für zwei Nächte beziehen werden, herrlich!

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Hostel Elda

 

 

 

Straßenverhältnisse und Wetter am Abend bei road.is. Die Straße von Egilsstadir nach Reykjalid ist auf dem letzten Stück rot gekennzeichnet, d.h. sie ist nicht befahrbar.

So wird es auch die nächsten Tage bleiben...die untere Grafik zeigt die Straßenverhältnisse 5 Tage später, da ist gar kein Durchkommen mehr!

 

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