Hurtigruten - Tag 6, Honningsvåg und Nordkap

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An diesem Morgen hängt die Wolkendecke sehr tief, aber es bleibt trocken. Wir frühstücken ganz gemütlich, danach besuche ich die Sauna und bin mit drei Frauen alleine. Wie alles hier, ist es ein Traum, in der wohltuenden Wärme zu sitzen und zuzusehen, wie die Landschaft Norwegens vorbeizieht.

Ich bin gerade zurück in meiner Kajüte, da höre ich eine Durchsage des Kapitäns: Vorne links im Hafen von Havøysund, wir liegen gerade vor Anker,  seien Seeadler auf der Jagd nach Fisch!

Ich stürze so schnell es geht in meine Klamotten und rase hinaus auf Deck 6. Vorne ist nicht mehr viel Platz, alle drängeln sich an der Rehling und ich quetsche mich noch in eine kleine Lücke. Wir sind aufgeregt und schauen angestrengt in die Richtung, die der Kapitän angegeben hat. Und da, ganz kurz sehe ich tatsächlich einen großen Adler vor der Felswand dicht über dem Wasser entlangfliegen, bis er hinter den vorspringenden Felsen im Fjord verschwindet. "Da! Da ist einer!" rufe ich. Seltsamerweise hat ihn außer mir jedoch niemand gesehen, alle haben wohl höher am Himmel geschaut. Er hatte zudem die gleiche Farbe wie der Felsen hinter ihm, war also gut getarnt. Das war es auch schon, keiner der Adler taucht nochmal auf. Und für ein Foto hat's leider auch nicht gereicht.

 

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Havøysund
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Sonnenaufgang

Die Landschaft hat sich verändert, die Berge sind nähergerückt, die Fahrrinne wird immer schmaler. Es liegt auch mehr Schnee an Land. Und immer wieder sieht man vereinzelte Häuser am Ufer stehen...Wie kann man hier so einsam leben? Das fragen wir uns immer wieder.

An einigen dieser Uferstellen der Insel Magerøya überqueren Ende September über 5000 Rentiere den Magerøysund, um von ihren Sommerweiden in das Tundra-Hochland auf dem Festland umzuziehen. Dort ist die Schneedecke dünner und so das Moos leichter zu finden, von welchem sie sich ernähren. Das Schwimmen der Rentiere über den Sund bedeutet für sie einen strapaziösen und anstrengenden Kampf gegen Kälte und Meeresströmung.

 

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Honningsvåg

Gegen 11:45 Uhr, wieder mit einer halben Stunde Verspätung, erreichen wir Honningsvåg auf der Insel Magerøya. Die bedeutende Fischereisiedlung ist ein Teil der Gemeinde Nordkapp in der Finnmark. Von hier aus startet der Ausflug zum Nordkap, den auch wir gebucht haben.

Die Busse, die uns dorthin bringen sollen, stehen schon hinter dem Hafen bereit.

Wir genießen den Blick auf unser Schiff, im Hintergrund die tief stehende Sonne, laufen vorbei an einem Riesentroll und steigen ein in einen der Busse. Von Honningsvåg sind es 34 km bis zum Nordkap.

 

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Die drei Busse fahren steil hinauf zu einem Pass auf 312m Höhe weiter ins Innere der Insel Magerøya hinein. Der Name Magerøya ist Programm, denn wie er schon vermuten lässt, ist die Insel "mager" und karg. Normalerweise sieht man hier nichts als Steine, jetzt allerdings sieht man nichts als Schnee.


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Same und sein Rentier

Die Fahrt von Honningsvåg zum Nordkap führt uns an einer wilden, in den Arktischen Ozean herabfallenden Felsenküste, baumlosen Ebenen und kleinen Fischerdörfern entlang. Wir sehen vereiste Ufer, endlose schneebedeckte Ebenen und überzuckerte Berge, die durch das typische Wetter und das besondere Licht der Arktis richtig zur Geltung gebracht werden. Auf den letzten Kilometern vor Ankunft am Kap folgen unsere  Busse einem Schneepflug.

Nach zwanzig Minuten machen wir Halt bei einer  Samenfamilie, die auf halber Strecke einen Shop für die vorbeikommenden Touristen betreibt.

Der Samenopa bietet sich inklusive Rentier als Fotomotiv  an und man kann sich ein Samenzelt von innen anschauen. Wir sind allerdings spät dran und haben daher nur zehn Minuten Zeit.

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"Hier bin ich am Nordkap, am äußersten Ende der Finnmark, und ich kann genauso gut sagen am äußersten Ende der Welt“, sagte Franscesco Negri im Winter 1664, ein italienischer Pfarrer, der vermutlich der erste war, der mit dem Nordkap als Reiseziel in den Norden fuhr.

Das mächtige Schieferplateau des Nordkaps ragt 307 Meter aus dem Eismeer empor und markiert den Endpunkt des europäischen Festlands. Und das, obwohl es in Wahrheit  weder der nördlichste Punkt Europas, noch der nördlichste Punkt des europäischen Festlandes ist. Tatsächlich bildet die Landzunge Kinnarodden, die noch vor der Insel Magerøya liegt, den nördlichsten Punkt des europäischen Festlandes.

Das ist zwar ein Fakt, aber uns ist das eigentlich egal. ;)

Die Klippen sind hier beeindruckend und es ist faszinierend, sich vorzustellen, dass zwischen uns und dem Nordpol nichts mehr liegt außer den Inseln Spitzbergens.

Das Globus-Denkmal ist zum Symbol für das Nordkap geworden und immer ein beliebtes Fotomotiv, auch für uns! :o)

Anzuschauen gibt es hier noch die Nordkap-Halle, in der  ein modernes Besucherzentrum untergebracht ist. Man kann sich einen 3D-Panoramafilm ansehen, der einem  das Nordkap in dramatischen Bilden in unterschiedlichen Jahreszeiten zeigt.

Und zum Schluß noch ein Tipp unseres Busfahrers, den ich bestätigen kann:

Wenn man mit einer Menge Menschen hier ankommt, nicht sofort zum Nordkap laufen. Da laufen sie alle hin, um  Fotos zu machen. Schaut euch zunächst den tollen Film an...wenn dann alle anderen ins Besucherzentrum kommen, ist bei der Weltkugel nix mehr los und man kann in Ruhe seine eigenen Fotos machen.

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Ein magischer Ort... als die tiefstehende Sonne die Wolken in pinkes Licht taucht...

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Blick ins Landesinnere mit Sonnenuntergang

Das Denkmal der Kinder der Welt am Nordkap wurde von sieben Kindern aus verschiedenen Teilen der Welt gestaltet und 1989 errichtet.

Die nördlichste Toilette Europas, besucht von Maulwurf, und gaaanz viel Schnee...und dann ab zurück zum Schiff, das gegen 15 Uhr wieder ablegt.

Nach diesem langen Aufenthalt in Kälte und Schnee freue ich mich auf die Sauna, herrlich!

Gegen 17 Uhr erreichen wir die Finnkirka, die Aussendecks füllen sich mit Menschen, die sich das wunderbare Schauspiel nicht entgehen lassen wollen.

Auf dem nördlichsten Festland Europas, der Nordkyn-Halbinsel steht sie da, die Finnkirka oder auch zu deutsch Samen-Kirche, eines der Wunderwerke der Natur. Der Fels wurde über Millionen von Jahren von der rauen See geformt. Die Finnkirka erhebt sich wie eine Kirche, mit Kirchturmspitze, Dach und Wänden zwischen einer Steilküste und dem Eismeer, geschaffen durch das gewaltsame Aufeinandertreffen des Eismeers mit der steinharten Küste der Finnmark über tausende von Jahren hinweg.

Sehr wahrscheinlich nutzten die Samen die Finnkirka als eine Opferstätte. In der Religion der Samen waren alle Dinge in der Natur beseelt. Auffallende Formationen in der Landschaft wurden somit zu Heiligtümern. Finnkirka wird bei Nacht angestrahlt, was den Anblick in der arktischen Nacht zu einer ganz besonderen Erfahrung macht.


Finnkirka
Finnkirka,

 

Die Finnkirka ist noch nicht ganz außer Sicht, als sich plötzlich ein Schnellboot nähert. Extra für uns gibt es jetzt ein wenig action. Das Anlegen des Bootes am fahrenden Schiff ist schon sehr spektakulär, da ein hoher Wellengang herrscht.

Die Fischer verlassen das Schnellboot und wir versammeln uns auf Deck 9, wo sie eine der frisch gefangenen Königskrabben demonstrativ für uns auf einen Tisch legen. Die lebenden Riesenkrabben sind ein begehrtes Fotomotiv. Später finden wir die essbaren Teile auf dem fantastischen Fisch- und Meeresfrüchte-Buffet wieder.

Gegen 22 Uhr treffen sich die Härtesten der Harten wieder fünflagig bekleidet auf Deck 9, um frei nach dem Motto der Reise "Hunting the light" das Nordlicht zu jagen...mit Erfolg. Nach der Abfahrt von Berlevåg schießen die grün flackernden Lichterketten über den Himmel und wir genießen es trotz der Kälte sehr!

Trotz des Stativs sind die Fotos zwar durch die Schiffsbewegung verwackelt, aber man bekommt einen kleinen Eindruck.


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Kommentare: 2
  • #1

    Antje (Dienstag, 24 November 2015 12:24)

    Einfach traumhaft, liebe Britta - DANKE !!!

    Liebe Grüße

    Antje

  • #2

    Heike (Dienstag, 24 November 2015 12:48)

    Liebe Britta,
    danke schön, dass Du uns mit auf Deine Reise genommen hast! Deine Bilder sind einfach immer sehr besonders, ich fühlte mich ganz nah bei Dir, wunderschön!!!!!!!!!!!
    Hab eine schöne Adventszeit!

    Heike