Helgoland in einem Tag

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Britta und die Lange Anna

An unserem dritten Tag im Norden fahren wir früh in knapp 90 min nach Cuxhaven, parken das Auto kostenlos beim Fähranleger und fahren mit der MS Atlantis um halb elf los nach Hegoland. Es ist ein herrlich sonniger Tag und wir genießen die Fahrt über das Meer. Es ist zwar sehr windig auf dem Außendeck, aber es lohnt sich draußen auszuharren, denn es geht vorbei an großen Containerschiffen, die wartend in der Elbmündung liegen, bis sie das Okay zum Weiterfahren nach Hamburg bekommen. Am Horizont sehen wir die Insel Neuwerk auftauchen und sehen es langsam an uns vorbeiziehen. Eine halbe Stunde vor Helgoland überholt uns der Halunder Jet, ein Katamaran, der Helgoland von Hamburg aus über Cuxhaven anfährt. Er ist zwar schneller, aber die Fahrkarten sind auch teurer...und man sitzt darin wie in einem Kino, was die Bewegungsfreiheit auf dem Schiff doch erheblich einschränkt.

Es herrscht relativ hoher Wellengang, Trotzdem wird uns über dem Lautsprecher angekündigt, dass wir auf Grund der herrschenden Windverhältnisse ausgebootet werden sollen. Ausbooten? Das hatte ich bis dahin nicht auf dem Schirm. Reist man also mit einem Seebäderschiff auf die Insel, so darf man etwas ganz besonderes miterleben: Das Ausbooten. Mit robusten Börtebooten, die vor Helgoland schon auf uns warten, sollen wir von den Seebäderschiffen auf die Insel gebracht werden. Abenteuerlich, wenn man den nicht gerade wenigen Seegang bedenkt! Diejenigen, die sich das nicht zutrauen, möchten bitte an Bord bleiben. Ich sehe das Ganze mit gemischten Gefühlen. Eigentlich mag ich es wenn's abenteuerlich wird, aber ich muss zum Beispiel an die arme Frau im Rollstuhl denken, denn mindestens sie wird nicht mit auf die Insel kommen können. Eine Frau erzählt mir, dass das Ausbooten mittlerweile umstritten ist und zu Beginn des Tourismus eingeführt wurde, weil es auf der Insel noch keinen Hafen gab. Den Helgoländern beschert es einen guten Verdienst, allerdings schreckt es wohl den einen oder anderen Touristen ab, dem es zu gefährlich ist.  Wir schauen uns das Ganze zunächst einmal vom Oberdeck an, es können eh nicht alle auf einmal von Bord geholt werden. Und ich muss leider sagen, das Ganze sieht tatsächlich nicht ungefährlich aus: Das kleine Börteboot legt am Schiff an und schaukelt weit rauf und wieder runter. Zwei Börtebootführer packen fest zu und ziehen den Aussteigenden unter den Armen festhaltend rüber ins Boot, was allerdings auf Grund des Wellengangs länger dauern kann. Es dauert also seine Zeit, bis das Boot voll ist. Als drei Boote fort sind, begeben wir uns ebenfalls runter zur Luke. Das Schiff bewegt sich rauf und runter, das Börteboot ebenfalls. Ich habe das Gefühl, in einen Aufzug einsteigen zu müssen, dessen Eingang sich fortwährend nach oben und unten bewegt! Zuerst wechselt Papa das Boot und ich folge ihm, den Gedanken ausblendend, was alles passieren könnte. Derweil knallt das Boot weiter vor die Wand des Schiffes und ehe ich's mich versehe, sitze ich im wild schaukelnden Bötchen und warte, bis es voller Menschen ist. Wir legen ab und eine riesige weiße Plastikplane wird von vorne nach hinten über unsere Köpfe hinweg bis zum anderen Ende durchgereicht. Sie soll uns vor der spritzenden Meeresgischt schützen und helfen, uns trocken in den Hafen zu bringen. Von der Fahrt bekommen wir also außer der Schaukelei und dem Peitschen des Windes gar nix mit. Nach 5 Minuten erreichen wir den sicheren Hafen und klettern erleichtert an Land.

TIPP: Wer also das Aus- und Einbooten vermeiden möchte, sollte doch lieber den Halunder Jet nehmen!

Ähnlichkeit mit realen Personen sind rein zufällig ;o)

Wir starten unseren Rundgang, für den wir wegen des Aus- und Einbootens nur etwa zwei Stunden Zeit haben, im Hafen in Richtung der Steilküste im Nordosten. An Sandstränden und massenhaft Sandsäcken vorbei wandern wir bis zu einer Treppe, die die steile Küste emporführt. Oben angekommen öffnet sich der Blick auf eine relativ flache, aber hügelige Grasfläche, das Oberland. Wir wenden uns nach rechts und folgen dem Weg um die Nordspitze bis zum Wahrzeichen Helgolands, der Langen Anna, ein 47 m hoher, frei stehender Felsen.

Wir erklimmen den mit 61,3 m höchsten Punkt der Insel und genießen einen tollen Blick auf unser Schiff und über Helgoland. Es umfegt uns ein starker, kalter Wind und reichlich Möwen und andere Vögel sind am Lummenfelsen zu sehen. Besonders eine Möwe setzt sich in Positur und gibt ein fantastisches Model ab. :o)))

Auf den Bänken sitzen Menschen und genießen die Sonne, manche dösen mit einem glückseligen Ausdruck auf dem  Gesicht und aneinandergelehnt vor sich hin. Es ist wirklich schön hier!

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Blick über Helgoland in Richtung Dorf mit Richtfunkturm und Leuchtturm, links sieht man die Nebeninsel Düne und unsere Fähre.

An Richtfunkturm und Leuchtturm vorbei gehen wir die Steilküste weiter entlang, bis der Weg wieder bergab führt. Wir kommen an den ersten bunten Häusern und der Paracelsus Nordseeklinik vorbei und erreichen die Hummerbuden. Die bunt bemalten, hölzernen Hummerbuden am Hafen sind ehemalige Wohn- und Werkstätten der Fischer, werden heute aber eher touristisch genutzt.

Zur Besichtigung der Bunkeranlagen, der Kirche, des James-Krüss-Museums und der Düne, auf der sich die Kegelrobben tummeln, bleibt leider keine Zeit mehr und wir begeben uns zum Hafen, wo die Börteboote uns schon erwarten.

Auf Wiedersehen Helgoland!

Zu guterletzt werden wir noch auf dem Schiff mit einem traumhaft schönen Sonnenuntergang direkt über der Insel Neuwerk belohnt!

Ein wunderbarer Tag geht zu Ende und wir verabschieden uns von der MS Atlantis.

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Kommentare: 1
  • #1

    Birgit (Freitag, 30 Oktober 2015 08:26)

    Immer wieder schön deine Geschichten zu lesen und Bilder anzuschauen!